Eine Liebesnacht mit ungeahnten Folgen

DIE LIEBESNACHT DES DICHTERS TIRET
Mosaik der französischen Revolution in mehreren Bänden – Band I – Mirabeau – 1788

Historischer Roman

Autor: Richard K. Breuer

Band 1 einer Serie. (Info weiter unten!)

Taschenbuch, 230 Seiten (2008)
Seit 2011 auch als E-Book erhältlich
ISBN 978-3-9502498-1-1

Leseprobe



Klappentext:

Sommer 1788. Als der Gelehrte Aleksander Mickiewicz sich in die schöne Madeleine, Tochter eines polnischen Aristokraten, verliebt, ahnt er noch nichts von den mysteriösen Umständen seiner Herkunft und von den Ereignissen, die ihn bald unversehens in die politischen Umbrüche hineinziehen werden. In Begleitung des geheimnisvollen, zuweilen verschrobenen Marquis d’Angélique begibt er sich auf eine gefährliche Reise nach Frankreich und begegnet dem genialen Vordenker der Revolution, Graf Mirabeau, und weiteren historischen Personen […]. Seine Welt beginnt, am Vorabend der Revolution aus den Fugen zu geraten…


Meine Meinung:

Tiret ist der Auftakt zu Richard K. Breuers (vorläufig) 4-teiliger Serie Historischer Romane, die knapp vor Beginn der Französischen Revolution spielt. Da ich bereits alle drei bisher erschienenen Bände gelesen habe, kann ich behaupten, dass Tiret vielleicht nicht das beste Buch der Serie ist, aber trotzdem ein gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht. Hier hat sich der Autor „warmgeschrieben“, er führt langsam und mit leisen Tönen an eine Geschichte heran, die – so wage ich zu ahnen – mit ordentlichem Getöse enden wird.

Ich habe mich vor etwas über einem Jahr schon ganz köstlich mit einer wirklich gelungenen Krimikomödie des Autors amüsiert (meine Rezension zu Schwarzkopf ist HIER zu finden) und das war einer der Gründe, warum ich mich auch über ein Buch getraut habe, das eigentlich nicht so ganz meinem Beuteschema entspricht. Und – ich wurde nicht enttäuscht! Nicht von ungefähr habe ich die nächsten beiden Bände gleich im Anschluss geradezu verschlungen.

Auch wenn ich zugeben muss, dass die vielen historischen (und nicht historischen) Fakten und Personen in Tiret zuweilen ein wenig meinen Lesefluss gehemmt haben, so hat mir das Buch insgesamt trotzdem gut gefallen. Zum einen mag ich den anspruchsvollen Schreibstil des Autors, den er hier sehr gut der Zeit anpasst, in der die erzählte Geschichte spielt, der aber trotzdem sein ganz eigener bleibt. Die Breuersche Eigenart in der direkten Rede mag anfangs vielleicht ein bisschen irritierend sein, hat aber definitiv Wiedererkennungswert. Die Sprache wirkt ausgefeilt, aber niemals konstruiert oder künstlich.

Zum anderen überzeugt natürlich der Humor des Autors. War dieser in Schwarzkopf und Rotkäppchen eher brachial-komisch, so zeigt Breuer hier, dass er es auch anders kann: nämlich fein und subtil. Und er zaubert damit das ein oder andere Lächeln oder gar ein breites Grinsen ins Gesicht des Lesers.

Der feine Humor und die pointierten Dialoge haben mich auch über den etwas schleppenden Mittelteil hinwegsehen lassen. Hier wurde mir ganz einfach zuviel aus Dokumenten der Zeit zitiert, so etwas ist natürlich Geschmackssache, mir war das ein wenig zu langatmig, ein wenig zu politisch, und ich hätte das nicht so umfangreich gebraucht.

Allerhöchsten Respekt habe ich allerdings trotzdem vor der umfassenden Recherche-Arbeit, die sich der werte Autor hier angetan haben muss. So wirft er gekonnt reale historische Ereignisse und Personen in einen Topf mit fiktiven Ereignissen und Personen, und rührt kräftig um. Heraus kommt dabei gute Unterhaltung, bei der man auch noch etwas lernen kann. So man das will. Denn natürlich kann man die Anmerkungen und Fußnoten auch einfach ignorieren. Ebenso wie die subtil eingestreute Gesellschaftskritik, die Parallelen vom vorrevolutionären Frankreich zur Gegenwart zieht.

In Tiret habe ich ein paar wunderbar gezeichnete, liebenswerte Charaktere kennengelernt, denen ich (auch in den Folgebänden) gerne auf ihrer abenteuerlichen Reise quer durch Polen und Frankreich gefolgt bin. Denn auch wenn in diesem ersten Buch der Serie „eigentlich nichts passiert“, so wird doch angedeutet, dass hier einige Steine ins Rollen kommen, die in den Folgebänden eine Lawine an (teilweise absurden) Ereignissen auslösen könnten, und das macht natürlich Lust aufs Weiterlesen.

Auch wenn mir die nächsten beiden Bücher in der Serie noch besser gefallen haben als Tiret, so ist der Serienauftakt doch sehr gelungen und eine wahre Fundgrube an Lieblingszitaten. Bevor ich diese sprechen lasse, kann ich aber schon mal verraten, dass es in Brouillé jede Menge köstliche Dialoge und in Madeleine jede Menge (blutige) Action geben wird. Beides sollte man sich nicht entgehen lassen und daher empfiehlt es sich natürlich, Tiret vorher zu lesen und dabei über die Dinge  hinwegzusehen, die man – je nach persönlichem Geschmack – als Schwächen auslegen könnte.


Fazit:

Ein gelungener Serienauftakt, der Lust aufs Weiterlesen macht. Das E-Book für € 1,99 ist ja ein echtes Schnäppchen, da sollte man zuschlagen. Und damit einen genialen österreichischen Indie-Autor entdecken, der hoffentlich nicht mehr lange (nur) ein Geheimtipp ist.


Lieblingszitate:

„Wahrlich“, kommt es von Mickiewicz nach einer längeren Pause, „in einem Punkt seid Ihr dem Grafen Mirabeau sehr ähnlich: in der Zielstrebigkeit, einen Traum wahr zu machen. Aber der Brennwert von Träumen ist gering. Diese wärmen vielleicht eine Seele, aber bestimmt kein Schloss.“
Der Marquis lächelt.
„Welch Fügung des Schicksals, dass ich so viel Wald besitze, dass das Holz ausreicht, um die Kamine in meinem Schloss für hundert Jahre nicht ausgehen zu lassen. Ihr, mein lieber Mickiewicz, Ihr habt hingegen kein Stück Holz, nur ein großes Brett. Es ist vor Euren Augen. […]“
(S. 100)
„[…] Monsieur Mickiewicz ist ein Philosoph und Gelehrter, der sich von der Vergangenheit ernährt, auf die Zukunft trinkt und auf die Gegenwart uriniert.“
(S. 106)
„[…] Ihr versteht von der Liebe kein bisschen. Nichts! […] Ihr spürt nur mit Eurem gelehrten Kopf, nicht mit Eurem Herzen. Ihr redet Euch wahrhaftig ein, verliebt zu sein, ich weiß. Aber Ihr seid es nicht.“
(S. 135)
„[…] jetzt muss der Brief an Madeleine geschrieben werden. Vermutlich hat die Marquise Recht, wenn sie ihm Vorhaltungen macht. Wer mag sich ausdenken, welch Marter es für das eine liebende Herz bedeutet, wenn es kein Lebenszeichen vom anderen erfährt?“
(S. 165)
„Ein einziges Mal… in meinem Leben… war ich einem Manne völlig hingegeben… und wisst Ihr, wodurch ich auf ihn aufmerksam wurde? Es klingt sonderbar, aber es war nur ein Gedicht… so zart und einfühlsam. Ich verlor das Bewußtsein. Für einen kurzen Augenblick glaubte ich den Himmel zu berühren und in die Hölle hinabzufahren. Wie ist es zu erklären, dass sich eine verheiratete Frau in die Zeilen eines unbekannten Jünglings verliebt?“ […] „Ich glaube, jede Frau findet einmal in ihrem Leben eine Zeile, die ihr gehört… ihr ganz allein. […]“
(S. 168/169)


Beste Stelle im Buch, die eigentlich nichts mit der Geschichte zu tun hat:

Sehr genial: das 4-seitige Prélude „Der Schriftsteller und das Mädchen“, das sich noch vor dem Vorwort des Buches findet, und das man sich in den beiden Buch-Trailern anhören kann unbedingt anhören sollte.










SERIEN-INFO:
Mosaik der Französischen Revolution in mehreren Bänden

Band I: Die Liebesnacht des Dichters Tiret (Hist. Roman, 2008)
wird vom Autor auch als E-Book um € 1,99 verschleudert! für Kindle  oder als EPUB/PDF

Band II: Brouillé (Hist. Krimi, 2010)
gibt’s auch als E-Book: für Kindle oder als EPUB/PDF

Band III: Madeleine (Hist. Roman, 2011)
dzt. nur als E-Book erhältlich: für Kindle  oder als EPUB/PDF

Band IV: Penly (in Arbeit)



Andere Meinungen zum Buch:

Blücher – der Bücher Blog
libromanie


Zu guter Letzt:

Das Buch ist auch als Printversion zu haben – die aufwändige und detailverliebte Ausstattung macht es zu einem Schmuckstück für das Bücherregal. Der Breuer macht nämlich alles selber. Er schreibt die Bücher nicht nur, sondern verlegt sie auch, er ist für das Layout genauso verantwortlich wie für das Design der Buchumschläge. Für die Titelbilder der Serie konnte er die in Skandinavien lebende Künstlerin Kheira Linder gewinnen, die Zeichnungen passen meiner Meinung nach sehr gut zu den Büchern und unterstreichen die anspruchsvolle Note.

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